Nachhaltigkeitslexikon

M wie Mulesing

Mulesing, auf Deutsch Mulesierung, ist eine Methode, die vorwiegend in Australien bei Merinolämmern angewendet wird. Dabei wird den Lämmern, meist ohne Betäubung, Haut um den Schwanz entfernt. So soll verhindert werden, dass sich in den Hautfalten Fliegen einnisten, um dort ihre Eier zu legen. Für die Schafe ist beides sehr gefährlich, der Parasitenbefall und das Mulesing.

Merinoschafe in Neuseeland, wo Mulesing bereits verboten ist. Photo by Wenhao Ji on Unsplash

Merinoschafe in Neuseeland, wo Mulesing bereits verboten ist. Photo by Wenhao Ji on Unsplash

Mulesing wird vorwiegend von australischen Schafzüchter*innen angewandt. Am häufigsten betroffen sind Merinoschafe. Australien ist weltweit führend in der Herstellung von Wolle. Die Schafe werden so gezüchtet, dass sie möglichst viel Wolle produzieren. Für mehr Wolle braucht es mehr Hautoberfläche, was wiederum dazu führt, dass sich die Haut in Falten legt. Durch die feine, dichte Wolle schwitzen die Schafe stärker. Die Feuchtigkeit sammelt sich in den Falten an und schafft so ein ideales Klima für Parasiten, die gern in einem feuchtwarmen Klima ihre Eier legen. Der Befall durch Fliegenmaden ist für die Schafe sehr gefährlich, weil die Maden die Schafe sozusagen… Achtung, grausam: bei lebendigem Leib auffressen.

Die Hinterteile der Schafe sind besonders anfällig auf so einen Befall, weil sich dort neben Wärme und Feuchtigkeit auch Bakterien ansammeln. Das Ziel des Mulesing ist es, in dieser Körperregion durch die Entfernung der faltigen Haut eine glatte Narbe zu erhalten. Viele der Lämmer werden aber nach der Prozedur nicht medizinisch versorgt. Sie leiden unter starken Schmerzen und sind durch die Wunde einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Ausserdem liegt die überschüssige Haut auch an anderen Körperstellen in Falten und bietet so noch mehr warme, feuchte Plätzchen für die Eier der fiesen Fliegen.

Wir zeigen hier bewusst keine Bilder von Lämmern, die Mulesing über sich ergehen lassen mussten, die Bilder sind zu brutal.

Was tun gegen Mulesing?

In Neuseeland wurde Mulesing im Jahr 2018 verboten. Das Gesetzt trat am 01. Oktober 2018 in Kraft. Es wäre wichtig, dass dieses Verbot auch in Australien gilt, dem Land, das weltweit am meisten Wolle produziert. Aber die miesten australischen Wollproduzent*innen wehren sich leider dagegen.

Ein weiterer sinnvoller Schritt wäre, von der Überzüchtung wegzukommen und die Tiere wieder artgerecht zu kultivieren, so dass sie auch nur so viel Hautfläche haben, wie auf ihre Körper passt. Das würde zwar etwas weniger Wolle ergeben, die Schafe wären aber dadurch viel weniger anfällig auf einen Befall durch die Schmalzfliegen und hätten dadurch eine gute Chance auf ein längeres Leben.

Fair Fashion ist mindestens mulesing-frei

In der Fair Fashion Industrie ist es nicht vertretbar, Wolle von Schafen zu beziehen, die so überzüchtet sind und solche Qualen wie Mulesing durchleben müssen. Wolle für nachhaltige Kleidung muss explizit mulesing-frei sein oder aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) kommen. Bei GOTS-zertifizierter Kleidung ist automatisch garantiert, dass nur mulesing-freie Wolle verwendet wurde. Eine sorgfältige Scherung der Tiere ist ebenfalls wichtig. Wenn die Scherung zu unsorgfältig und schnell passiert, können die Schafe schwer verletzt werden.

Die Marken, die wir bei RRREVOLVE anbieten, verwenden garantiert mulesing-freie, viele von ihnen auch Wolle aus biologischer Tierhaltung (kbT). Und sie weisen transparent aus, woher sie ihre Wolle beziehen.

Wolle oder lieber keine Wolle

PETA empfiehlt, ganz auf Kleidung aus Wolle zu verzichten, zum Wohl der Tiere. Für uns ist Wolle immer noch einer der schönsten, wertvollsten und langlebigsten natürlichen Rohstoffe für Kleidung. Wolle ist antibakteriell, weist Feuchtigkeit ab, hält warm, wenn es kalt ist und leitet Wärme ab, wenn es zu warm wird. Durch all diese Eigenschaften müssen Wollkleider eigentlich nicht oder nur sehr selten gewaschen werden. Flecken kann man gut punktuell behandeln. Das spart viel Energie und die Kleidungsstücke bleiben dadurch extrem lange schön und unversehrt.

Es gibt ausserdem immer noch Gebiete, in denen die Schafzucht eine lange Tradition hat. Die Schafe sind dort keine Hochleistungstiere, sie leben grösstenteils im Freien und werden liebevoll umsorgt. Wenn sie im Frühling, wenn es wieder wärmer wird, geschoren werden, freuen sie sich über das kürzere Fell. Diese traditonellen, oft kleinen und regional verankerten Betriebe zu unterstützen, indem man ihnen ihre Rohstoffe zu fairen Preisen abkauft, finden wir nach wie vor sinnvoll.