Nachhaltigkeitslexikon

Montag, 17. August 2020

F wie Fair Wear Foundation

Die Fair Wear Foundation wurde 1999 in Holland gegründet. Ihr hauptsächliches Ziel ist seit ihrem Anfang die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Die Initiative startete mit Pilotprojekten in vier holländischen Unternehmen. Heute arbeiten bei Fair Wear über 50 Angestellte mit mehr als 130 angeschlossenen Marken zusammen.

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Der Fokus von Fair Wear liegt auch heute noch auf fairen Arbeitsbedingungen. Die Stiftung ist in direktem Kontakt mit den Fashion Brands, Fabriken, Gewerkschaften, Non-Governmental Organisations (NGO) und Regierungen. Gemeinsam mit allen Beteiligten werden neue Lösungen für eine faire und nachhaltige Modeindustrie erarbeitet und umgesetzt.

Fair Fashion – die neue Norm

Wurde dein Kleidungsstück fair hergestellt? Eine Frage, die sich gar nicht so einfach beantworten lässt. Fair Wear unternimmt konkrete Schritte, um zu zeigen, dass es möglich ist, Mode fair herzustellen. Soziale Verantwortung darf kein optionaler Zusatz sein, Fair Fashion ist ein fundamentales Recht. Deshalb strebt Fair Wear zusammen mit den Gewerkschaften und anderen NGO eine neue Norm an.

Drei Grundsätze für eine neue Fair Fashion Norm:

  1. In kleinen Schritten zu einer grossen Veränderung
  2. Mehr Glaubwürdigkeit durch unabhängige Stellen
  3. Es braucht alle Akteur*innen, um die gesamte Industrie zu verändern

Grosse Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen. Deshalb trifft Fear Wear die Fashion Brands dort, wo sie gerade stehen. Ganz egal, ob sie schon Leader sind, was soziale Verantwortung angeht, oder erst am Anfang stehen. Fear Wear hilft den Modemarken, einen Plan zu erstellen und konkrete Schritte einzuleiten. Die Fortschritte werden jährlich überprüft. In diesem kollaborativen Prozess passiert Schritt für Schritt eine Veränderung mit bleibender Wirkung.

Mehr Glaubwürdigkeit durch unabhängige Stellen

Immer mehr Konsument*innen halten Ausschau nach ethischen und nachhaltigen Modemarken, die sich zu fairen Geschäftsmethoden bekennen. Aber wie können sie sicher sein, das stimmt, was sie sagen? Der einzige Weg ist die Verifizierung durch eine unabhängige, unternehmensexterne Stelle. Diese Rolle nimmt die Fear Wear Foundation ein. Um die Geschäftsvorgänge der angeschlossenen Kleidermarken zu durchleuchten, werden Checks auf drei Stufen durchgeführt.

Fair Wear checkt die Glaubwürdigkeit der Modemarken

  • Auf Stufe der Marke
  • Auf Stufe der Fabrik
  • Direkt bei den Arbeiter*innen

Fair Wear analysiert Prozesse und führt direkt in den Fabriken Audits und Befragungen durch. Die Erkenntnisse teilt sie mit allen Beteiligten und der Öffentlichkeit. Dieses Vorgehen zeigt grosse Wirkung. Die Checks helfen den Marken und den Fabriken zu erkennen, was sie richtig machen und wo sie Verbesserungspotenzial haben. Dadurch, dass die Ergebnisse öffentlich gemacht werden, entsteht absolute Transparenz. Die Beteiligten werden zur Verantwortung gezogen für ihr Handeln. Das soll keine Belastung sein, sondern eine Chance, das Wohlwollen der Konsument*innen zu gewinnen. Die Fashion Brands erhöhen ihre Glaubwürdigkeit und gehen als positives Beispiel für andere Brands voran.

Photo by Maarten Schuth for CNV Internationaal

Photo by Maarten Schuth for CNV Internationaal

Befähigung durch Bildung

In den Fabriken beginnt eine nachhaltige Veränderung damit, die Angestellten zu befähigen. Befähigung passiert durch Bildung. Mit einem Workplace Education Program bildet Fair Wear Arbeiter*innen sowie das Management aus. Als Grundlage für die Ausbildung dient der Code of Labour Practices. Das Herzstück dieses Codes sind die acht Labour Standards, die von den International Labour Organization (ILO) Conventions und der Deklaration für Menschenrechte der United Nations (UN) abgeleitet sind.

Die acht Labour Standards:

  1. Die Anstellung basiert auf Freiwilligkeit
  2. Keine Diskriminierung am Arbeitsplatz
  3. Keine Ausbeutung durch Kinderarbeit
  4. Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen
  5. Zahlung eines Mindestlohnes zur Existenzsicherung
  6. Angemessene Arbeitszeiten
  7. Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen
  8. Rechtsgültiges Arbeitsverhältnis

Erst wenn die Angestellten und das Management verstehen, was es für ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld braucht, können sie ihre Bedenken äussern und das ganze Verbesserungspotenzial erkennen. Das Training beinhaltet Module, in denen die Beteiligten lernen, eine offene Kommunikation zu kultivieren und mit Problemen wie Diskriminierung oder sexueller Belästigung umzugehen. Ein konstruktiver Dialog ist die Basis aller Problemlösungen.

Es braucht Mut für ein Unternehmen, die internen Vorgehensweisen und Entscheidungen bezüglich Herstellungskette publik zu machen. Mit ihrem Engagement involviert Fair Wear alle Beteiligten in einen konstruktiven Prozess, der die Herausforderungen und Vorteile einer solchen Transformation deutlich machen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es noch keine 100% faire Textilherstellungskette. Erst durch die Ehrlichkeit der Brands und deren Bereitschaft, als Vorbild voranzugehen, kommen wir diesem Ziel näher. Ob wir es jemals erreichen werden, können wir nicht wissen. Aber eins ist klar: Es lohnt sich aus mehreren Gründen, die Marken zu unterstützten, die der Fair Wear Foundation angehören.