Nachhaltigkeitslexikon

Montag, 17. August 2020

A wie Alpakawolle

Alpakas kommen ursprünglich aus Peru und werden schon seit Jahrtausenden in den Anden auf hoch gelegenen Grasweiden und Steppen gezüchtet. Die Kleinkamele gehören zu den wichtigsten Nutztieren des Landes. Allein in Peru leben etwa 3,5 Millionen Tiere. Das sind 80 Prozent der weltweit rund 4,4 Millionen gezählten Alpakas. Mittlerweile gibt es auch in Europa einen wachsenden Markt für die Zucht von Alpakas und die Produktion von Alpakawolle.

Photo by Jessica Knowlden on Unsplash

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Die wertvolle Alpakawolle wird einmal pro Jahr geschoren. Je nach Tier werden pro Schur bis zu sechs Kilogramm Fasern gewonnen. Für die Weiterverarbeitung ist meist etwa die Hälfte davon geeignet. Man sagt, die Wolle von einem Tier reicht ungefähr für einen Pullover.

Was macht Alpakawolle so besonders?

Durch die jahrtausendjährige Zucht der Alpakas in den Anden hat die Alpakawolle ihre herausragenden Eigenschaften entwickelt. Das Klima der Anden ist extrem: Tagsüber sind die Tiere grosser Hitze ausgesetzt. Nachts sinken die Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt. Dank ihrer Wolle können Alpakas die riesigen Temperaturschwankungen ausgleichen und ihre Körpertemperatur regulieren. Alpakas legen ausserdem weite Strecken zurück. So ist die Wolle mit der Zeit sehr widerstandsfähig geworden.

Photo by Sofia Guaico on Unsplash

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Photo by Adrian Dascal on Unsplash

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Das Besondere an der Alpakawolle ist ihre Faserstruktur: Die Fasern sind innen hohl. Das erklärt viele ihrer einzigartigen Eigenschaften.

Eigenschaften der Alpakawolle

  • Feuchtigkeit wird von den hohlen Fasern aufgenommen und abgeleitet.
  • Im Winter speichert Alpakawolle die Körperwärme, gleichzeitig isolieren die Fasern vor Kälte.
  • Im Sommer leiten die Fasern Wärme ab und sorgen so für einen Temperaturausgleich.
  • Die in der Alpakawolle enthaltenen Eiweissmoleküle neutralisieren Gerüche z.B. von Schweiss.
  • Alpakawolle ist dreimal reissfester als Schafwolle und nimmt viermal weniger Feuchtigkeit auf.
  • Im Gegensatz zu anderen Naturfasern ist Alpakawolle weniger anfällig auf Verfilzung.
  • Alpakawolle ist undurchlässig für UV-Strahlen und antistatisch.
  • Aufgrund des geringen Anteils an Wollfett ist kaum Bakterienbildung möglich.
  • Hundertprozentige Alpakafaser ist nicht entflammbar.
  • Die trockene Wolle ohne Lanolin-Öl ist gut geeinget für Allergiker*innen

Warum ist Alpakawolle so wertvoll?

Alpakawolle gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen, wobei die Feinheit der Faser das Hauptmerkmal ist: Je feiner die Faser, desto höher die Qualität. Die feinen Fasern haben viele Vorteile: Sie verleihen der Alpakawolle ihren natürlichen Glanz. Und dank ihrer Feinheit fühlt sich Alpakawolle auf der Haut extrem weich an. Die Bezeichnungen «Baby Royal» und «Baby Alpaca» stehen nicht für Wolle von Babytieren. Für die qualitativ hochwertigste Form der Alpakawolle wird aber ausschliesslich die feinste Wolle verwendet. Die wächst bei den Alpakas auf dem Rücken.

Qualitätsstufe

Dicke

Baby Royal

unter 20,0 Mikron

Baby Alpaca

20,1 – 23,0 Mikron

Superfine

23,1 – 26,9 Mikron

Medium

27,0 – 30,9 Mikron

Strong

31,0 – 35,9 Mikron

Coarse

36,0 Mikron und stärker

1000 Mikron = 1 Millimeter

Alpakas brauchen viel Platz und Liebe

Wenn mit Wolle von Tieren gearbeitet wird, geht es immer auch um das Wohl der Tiere. Die Tiere müssen artgerecht gehalten werden und es muss für ihr Wohlbefinden gesorgt sein. Das ist allen Kleidermarken, mit denen wir zusammenarbeiten, ein wichtiges Anliegen. Sie beziehen nur Wolle von Produzenten, die Wert legen auf eine artgerechte Tierhaltung. Oft sind das kleinere Zuchtbetriebe, die in langer Tradition überschaubare Herden halten. Alpakas sind zwar nicht anspruchsvoll, brauchen aber regelmässige Pflege. Bei der jährlichen Schur ist besondere Sorgfalt und Zuwendung wichtig, damit die Tiere nicht verletzt werden.

Kriterien für eine tierfreundliche Alpakahaltung

  • Alpakas sind Herdentiere, sie dürfen nie allein gehalten werden.
  • Alpakas brauchen Auslauf – allein für zwei Tiere sind rund 1000 m² nötig, um für beste Bedingungen zu sorgen.
  • Alpakas ernähren sich fast ausschliesslich von Gräsern – anderes Futter gehört nicht auf ihren Speiseplan.
  • Ställe sowie Futter- und Wasserkrüge müssen täglich gereinigt werden.
  • Regelmässige Untersuchungen (insbesondere auf Parasitenbefall) und Impfungen sind unbedingt notwendig, um Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen oder noch besser: vorzubeugen.
  • Auch die Klauenpflege gehört zum Schutz der Alpakas.
  • Die regelmässige, meist jährliche Schur sollte aus hygienischen Gründen ganzheitlich erfolgen.