Zirkularität

Ressourcen im Kreislauf behalten

Zirkularität bezeichnet allgemein das Prinzip kreisförmiger oder wiederkehrender Prozesse, bei denen Ressourcen immer wieder in den Produktions- und Nutzungskreislauf zurückgeführt werden. Dieser Ansatz ist zentral, um Nachhaltigkeit in den heutigen, industrialisierten Prozessen zu erreichen.

© RRRevolve - eigene Visualisierung basierend auf The Circular Economy User Guide / Walter R. Stahel, circular economy transition, p. 13

Im Gegensatz zum linearen Prozess ("take-make-dispose"), das auf der einmaligen Nutzung von Ressourcen basiert, zielt Zirkularität darauf ab, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten. Dabei werden Produkte so gestaltet, dass ihre Bestandteile nach der Nutzungsphase wiederverwendet, repariert, aufbereitet und recycelt werden können.

In der Natur existiert das Konzept "Abfall" nicht – jedes Nebenprodukt eines Organismus oder Prozesses wird im Ökosystem als Nährstoff für andere Lebensformen verwendet. Erst durch die menschliche Zivilisation und besonders die industrielle Massenproduktion wurde die Vorstellung von "Abfall" als etwas Wertloses, das entsorgt werden muss, überhaupt geschaffen. Zirkuläres Wirtschaften orientiert sich daher an natürlichen Kreisläufen und versucht, diese Grundprinzipien auf menschliche Produktions- und Konsumprozesse zu übertragen.

In den 1970er Jahren entwickelte sich mit dem wachsenden Umweltbewusstsein und der Ölkrise wieder verstärktes Interesse an ressourcenschonenden Wirtschaftskonzepten. Der Begriff "Circular Economy" (Kreislaufwirtschaft) wurde in den 1990er Jahren populär, insbesondere durch Arbeiten von Walter Stahel, der das Konzept der "Performance Economy" prägte, sowie durch die Cradle-to-Cradle-Philosophie von Michael Braungart und William McDonough.

Die Modeindustrie gilt als einer der ressourcenintensivsten und umweltbelastendsten Wirtschaftszweige. Das Konzept der zirkulären Mode ("Circular Fashion") gewinnt daher zunehmend an Bedeutung, um diese Industrie zu verändern und nachhaltiger zu gestalten.

Kernaspekte der Zirkularität in der Modeindustrie sind:

  • Design für Langlebigkeit: Kleidungsstücke werden so konzipiert, dass sie länger halten und reparierbar sind.
  • Materialauswahl: Verwendung von biobasierten, recycelten oder recycelbaren Materialien.
  • Ressourceneffiziente Produktion: Minimierung von Wasser-, Energie- und Chemikalienverbrauch.
  • Neue Geschäftsmodelle: Entwicklung von Miet-, Tausch- und Sharing-Konzepten.
  • Recycling-Infrastruktur: Aufbau von Systemen zur Sammlung und Verwertung gebrauchter Textilien und “Take-Back Systeme” (Produkte wieder zurücknehmen).

© RRRevolve - eigene Visualisierung basierend auf Lieferketten

Die Transformation hin zu einer zirkulären Modebranche erfordert das Zusammenspiel verschiedener Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Designern und Herstellern über Händler bis hin zu Konsumenten und Recyclingunternehmen.