Nachhaltigkeitslexikon

Montag, 17. August 2020

B wie Bambus

Bambus ist eine wahre Wunderpflanze und eines der nachhaltigsten Naturprodukte überhaupt. Es gibt über 1000 verschiedene Bambusarten. Bambus ist kein Holz, sondern ein Gras. Für die Textilherstellung ist der Moso-Bambus am besten geeignet. Er wächst vor allem in China und Japan. Dort isst man auch gern die Sprossen des Moso-Bambus.

Photo by Mirko Blicke on Unsplash

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Dem Bambus kann man regelrecht beim Wachsen zusehen, er hält sogar einen Guiness-Weltrekord mit einem Wachstum von bis zu 91 cm pro Tag. Der Moso-Bambus kann in warmen Regionen wie China bis zu 35 Meter hoch werden und einen Durchmesser von 8 bis 18 cm erreichen. Die unterirdischen Rhizome und Ausläufer der Bambuspflanze bilden unter der Erde ausgedehnte Systeme, die den Boden vor Erosion schützen. Gleichzeit speichern sie das Regenwasser und wirken so als Feuchtigkeitsreservoir mit klärfilternder Funktion.

Die Vorteile von Bambus

  • Bambus wächst sehr schnell
  • Braucht keine Pestizide, keinen Dünger und kaum Wasser
  • Auf derselben Fläche kann 10 Mal mehr Bambus als z.B. Baumwolle angepflanzt werden
  • Bambus produziert über 35% mehr Sauerstoff als eine vergleichbare Waldfläche
  • Absorbiert somit auch mehr Kohlendioxid
  • Enthält hypoallergen wirkende Stoffe

Kleidung aus Bambus ist nicht unbedingt natürlich

In der Modeindustrie wird Bambus gern als nachhaltige Alternative zu Baumwolle angepriesen. Oft wird aber etwas Wesentliches unterschlagen: In den meisten Fälle handelt es sich gar nicht um Textilien aus Naturfasern sondern aus Viskose. Die Basis von Viskose bildet Cellulose, ein pflanzlicher Zellstoff. Cellulose kann aus verschiedenen Holzarten oder eben aus Bambus gewonnen werden. Die Cellulose-Fasern der Bambusgräser werden bei der Herstellung von Bambus-Viskose mit Wasser, Schwefelkohlenstoff und Natronlauge bearbeitet und gepresst. Durch die mehrfache Kondensation entsteht ein völlig neues Produkt, die Natürlichkeit der Grundstoffe geht verloren.

Der Vorteil liegt in der Herstellungsart. Viele Produktionsfirmen arbeiten mit erneuerbaren Energien. Die Chemikalien und das Wasser, das für die Herstellung gebraucht wird, kann wiederverwendet werden. Das ist ressourcenschonender als zum Beispiel die Herstellung von Baumwolle.

Gibt es Kleidung aus natürlichen Bambusfasern?

Es gibt wenige Hersteller, die Bambus zu einer Naturfaser verarbeiten. Der Bambus, den die Marke KOMANA für ihre Kleidung verwendet, ist zum Beispiel tatsächlich eine Naturfaser. In diesem Fall ist der Verarbeitungsprozess mechanisch. Die Bambusgräser werden erst zerkleinert, durch natürliche Enzyme entsteht daraus eine aufgeblähte Masse. So können die Fasern gekämmt und zu Garn gerollt werden. Das Garn ist weicher als Baumwolle, deshalb ist das Material sehr beliebt.

Es gibt aber auch Nachteile bei diesem Verfahren. Die Manufaktur in der Türkei, mit der zum Beispiel KOMANA zusammenarbeitet, bezieht zwar FSC-zertifizierten Bambus, er kommt aber aus China. Das ist ein langer Weg. Die Manufaktur ist nachhaltig im Umgang mit Ressourcen, für die Herstellung werden erneuerbare Energien eingesetzt. Für den Prozess der Gewinnung von Bambus als Naturfaser gibt es jedoch noch keine Zertifizierung. Das heisst, der Herstellungsprozess und die Bedingungen werden nicht von einer unabhängigen Stelle geprüft. Als Modelabel und auch als Konsument*in hat man so keine Sicherheit, dass die Kriterien für Nachhaltigkeit erfüllt sind. Aus diesem Grund überlegt sich KOMANA, die Leggins vollständig aus Bio-Baumwolle herzustellen. Die Weichheit der Bambusfaser ist allerdings unschlagbar.


Übrigens

Indem wir Bambus für Kleidung verwenden, nehmen wir den Pandas nicht ihr Essen weg. Sie mögen keinen Moso-Bambus. Zum Glück!


Und noch etwas

Bitte nicht aus Mehrwegbechern aus Bambus trinken! In einem aktuellen Test von Stiftung Warentest schneiden die Bambusbecher richtig schlecht ab. Bei allen Bechern ist Kunststoff drin. Die meisten Becher enthalten zu viele Schadstoffe. Wenn man die Becher mit einem Heissgetränk wie Kaffee füllt, können sich die Schadstoffe aus dem Material lösen. Mehr Infos dazu findest du in unserem Blogbeitrag «Coffee to Go» geht auch nachhaltig.

Eine gute Alternative zu Mehrwegbechern aus Bambus sind Mehrwegbecher aus Glas oder Edelstahl.